Aggression und Gewalt

Aggression und Gewalt - Umsetzung konkret

Für die Praxis der Gewaltprävention ist es jenseits aller wissenschaftlichen Debatten zunächst sinnvoll und auch gut begründet, davon auszugehen, dass

  • Aggression und Gewalt in der VorschuleAggression und Gewalt soziale und kulturelle Phänomene darstellen.
  • Gewalt häufig im Kontext einer sich zuspitzenden Konfliktdynamik angewendet wird.
  • Gewalt vielfältige Formen umfasst und nicht alle diese Formen tabuisiert sind.
  • Kinder ein anderes Gewaltverständnis haben als Erwachsene.
  • in Bezug auf Vorschulkinder diese vielfach Opfer von Gewalt werden, eine Zuschreibung von Gewalttäterschaft aber vermieden werden sollte.
  • kindliche Aggression primär als entwicklungsbedingtes Phänomen zu sehen ist, das vielfältige explorative Funktionen erfüllt.

Erkennen und Sensibilisieren
Um Aggression und Gewalt differenziert wahrnehmen zu können, ist zu klären, was in der Einrichtung darunter verstanden werden soll und wie kindliche Äußerungen bewertet werden sollen. Dabei sind auch die verschiedenen Formen von Erziehungsgewalt einzubeziehen, die oft eng mit der Abhängigkeit der Kinder und der Macht der Erwachsenen verbunden ist.

Anhand der Materialien M1–M4 kann ein differenziertes Verständnis erarbeitet werden, wie Gewalt verstanden werden kann und wo sie vorkommt. Dabei geht es auch um die Sensibilisierung für verschiedene Formen von Gewalt sowie deren Duldung, Unterstützung und Rechtfertigung.

Die Attraktivität von Aggression und Gewalt
Gewalt übt auf viele eine eigenartige Faszination aus. M5 themati-siert, was Gewalt für viele immer wieder so attraktiv macht. In der Werbung und in den Medien sind Gewaltmotive und -darstellungen allgegenwärtig. Warum werden diese Gestaltungsmotive verwen¬det und welche impliziten Botschaften werden damit vermittelt? Gleichzeitig wird in M5 auch verdeutlicht, warum Gewalt so prob-lematisch ist.

Spielerische Aggression
Aggression kann sich nicht nur im Kontext von Spielen entwickeln, sondern auch spielerisch erprobt und als Spiel gelebt werden. Für viele Kinder ist dies attraktiv und lustvoll und hat auch mit dem Erproben vielfältiger Rollen zu tun. M6 zeigt, wie Aggression im Spiel stattfinden kann und benennt eine Reihe von Fragen, die im Erziehungsbereich oft damit verbunden werden, wie z. B. ob nicht gerade so aggressives Verhalten gelernt werden könnte. Wie also umgehen mit diesem Phänomen? Verbieten, fördern, kultivieren (in einem eigenen Toberaum), gemeinsame Regeln aufstellen (nicht boxen, nicht beißen usw.)?

Die Trotzphase
Aggression und Gewalt im Kontext kindlicher Entwicklung zu verstehen, bedeutet, im Vorschulbereich auch besonders die sog. Trotzphase, also die Entwicklung und Erprobung des eigenen Willens, im Blick zu haben und damit angemessen umgehen zu können. M7 beschreibt die Grundzüge der Trotzphase und die Lernaufgaben für Kinder und Eltern.

Die Gewalt zähmen?
Lässt sich Gewalt verhindern oder gar zähmen? In der Fabel „Der Wolf von Gubbio“ (M8) erzählt Franz von Assisi von einem Wolf, der Mensch und Tier in Schrecken versetzt und gegen den die Bevölkerung kämpft, bis Franz von Assisi ihn schließlich in die Gemeinschaft integrieren kann. Wie bei allen Fabeln werden auch hier menschliche Eigenschaften und Problemfelder am Beispiel von Tieren erzählt. Diese Fabel kann nicht nur von Erwachsenen, sondern auch in vielfältiger Form von Kindern bearbeitet werden.

Der Wolf kann dabei für Unterschiedliches stehen: (1) den eigenen inneren Wolf, der zerstörerisch wirken kann, (2) die personifizierte äußere Gewalt, (3) den „Untragbaren“, der andere in Mitleidenschaft zieht und herausfordert. Welche eigenen Möglichkeiten lassen sich finden, mit diesem Wolf umzugehen: Ihn töten zu wollen, ihn permanent zu bekämpfen, ihm Regeln aufzuzwingen, seine Bedürfnisse anzuerkennen, ihn mit den anderen zu versöhnen?

Umgang mit der Wut lernen
Was man tun könnte:

  • Eine Wutkiste, z. B. eine Kiste mit Zeitungen anbieten, die bei einem Wutanfall zerknüllt werden dürfen.
  • Auf Riesenpapierbögen mit leuchtenden Farben wüten.
  • Brüllermännchen, das sind Socken mit Gesicht, in die man mit der Hand hineinschlüpfen und sie dann den ganzen Ärger erzählen lassen kann.
  • Einmal den Gartenzaun entlang ums Grundstück rennen.
  • In der Wutecke auf alte Töpfe und Pfannen schlagen
  • Die Wut im Klo runterspülen.
  • Ins Wutzelt krabbeln und sich auf die dicken Wutkissen werfen.
  • Eine Stimmungstafel neben sich stellen oder legen, auf der mit knallroten Buchstaben „Wut“ steht.
  • Wutfiguren miteinander kämpfen lassen.
  • Einen zähnefletschenden Hund ans Sweatshirt klammern, der sagen soll: Vorsicht, haltet Abstand, ich beiße gerade. (Haug-Schnabel 2009, S. 91, Auszüge)

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