Resilienzorientierung

Risiko- und Schutzfaktoren

Als Schlüssel zur Gewaltprävention wird das Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren gesehen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben in den letzten Jahren eine Fülle von Einflussfaktoren auf die Entwicklung und das Verhalten von Kindern sowohl im persönlichen Bereich als auch im Umfeld von Kindern identifiziert. Aggressives und gewalttätiges Verhalten ist von vielen Risikofaktoren abhängig, die sich gegenseitig verstärken können und nicht auf einzelne Ursachen zurückzuführen sind.

Gewaltprävention in Vorschule und KindergartenDie Risikofaktoren für Gewalttätigkeit verändern sich je nach Lebensalter und Entwicklungsstand und hängen vom sozialen und gesellschaftlichen Kontext ab. Was für das eine Kind ein Risikofaktor darstellt, muss für das andere noch keiner sein.

Resiliente Verhaltensweisen haben sich als wirksame Schutzfaktoren gegen gewalttätiges Verhalten erwiesen. Sie bewusst und gezielt zu fördern, ist deshalb ein zentraler Ansatz jeder Gewaltprävention im vorschulischen Bereich.

Resilientes Verhalten kann nicht einfach als soziale Kompetenz verstanden werden. Soziale Kompetenz, so das Online-Lexikon Wikipedia, bezeichnet die persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, die dazu beitragen, das eigene Verhalten von einer individuellen auf eine gemeinschaftliche Handlungsorientierung hin auszurichten. Sozial kompetentes Verhalten verknüpft die individuellen Handlungsziele von Personen mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe.

Resilientes Verhalten meint mehr: Es geht um die Frage, warum bestimmte Menschen oder Menschengruppen besser mit Schwierigkeiten und belastenden Situationen umgehen können als andere und warum sie „Schicksalsschläge“ und traumatische Erlebnisse so verarbeiten können, dass sie daran wachsen und nicht zerbrechen. Resilienz, verstanden als psychische Widerstandskraft, ist das Ergebnis des langfristigen Aufbaus von Ressourcen (Wustmann 2011, S. 357).

Die Resilienzforschung hat förderliche Faktoren benannt und Hinweise zum Erwerb und der Förderung resilienter Verhaltensweisen erarbeitet. „Resilienz sollte als unerlässliches Erziehungsziel angesehen werden, welches für alle Kinder anwendbar ist. Resiliente Kinder und Jugendliche sind optimistisch und haben ein hoch entwickeltes Selbstwertgefühl im Gegensatz zum herrschenden Zeitgeist. Wir denken oft, wenn Kinder nicht mit Problemen in Kontakt kommen, ist es gut. Das ist falsch. Fehler bringen junge Menschen weiter und machen sie stark.“ (Friederichs 2007, S. 16)

Risikofaktoren
Risikofaktoren sind als Einflussfaktoren zu verstehen, die in der Kombination von biologischen und sozialen Prozessen zu Gewaltverhalten führen können. Der Einfluss der Risikofaktoren verändert sich mit der Entwicklung und dem Lebensalter von Kindern. Neue Risikofaktoren kommen hinzu. So ist z. B. der Einfluss der Familie in der frühen Kindheit groß, während in der Adoleszenz die Peergruppe wichtiger wird. Risikofaktoren können kumulieren. Doch nicht nur die zahlenmäßige Kumulation einzelner Risiken, sondern auch deren Zusammenwirken und die gegenseitige Verstärkung ist von Bedeutung (vgl. Scheithauer 2012, S.52).

Eine solche Häufung von Risiken findet man z. B. bei Kindern, die miss-handelt oder vernachlässigt werden, die in armen Verhältnissen auf-wachsen mit alleinerziehenden Elternteilen, in einer ungünstigen Nach-barschaft mit Gewalt, Drogenkonsum oder Kriminalität.

Eine Häufung von Risikofaktoren vergrößert die (statistische) Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Gewalt. Sie ist jedoch nie eine Vorhersage für den Einzelfall. Dies macht eine sehr differenzierte Betrachtung des Themas notwendig. Risikofaktoren begleiten und beeinflussen das Aufwachsen von Kindern. Von besonderer Bedeutung sind die Risikofaktoren, die in der frühen Kindheit auftreten.

Das Konzept der Risikofaktoren reicht für ein gewaltpräventives Vorgehen nicht aus. Für sich genommen fördert es eine Defizitorientierung und ist mit der Gefahr der Etikettierung und Stigmatisierung verbunden.

Grenzen des Konzepts

  • Kein einzelner Risikofaktor ist so einflussreich, dass er Aggression und Gewalt bei einem Kind verursachen kann.
  • Risikofaktoren können dazu dienen, die Wahrscheinlichkeit von Gewalt in bestimmten Gruppen von Kindern vorauszusagen, nicht jedoch bei einzelnen Kindern.
  • Die Aussagen und Schlüsse aufgrund von Risikofaktoren müssen sehr vorsichtig und behutsam getroffen werden.
  • Manche Risikofaktoren können durch pädagogische Maßnahmen nicht verändert werden. Ihre Beeinflussung kann deshalb auch nicht das Ziel pädagogischer Pro-gramme sein.
  • Situative Faktoren, die einen erheblichen Einfluss auf die Eskalation und Dynamik von Konflikten haben, können durch Risikofaktoren nicht erfasst werden.
  • Als Risikofaktoren werden oft Abweichungen von der als „normalem Verhal-ten“ bezeichneten Norm angenommen. Dabei müsste jedoch gefragt werden, wer diese Norm setzt und wodurch sie sich legitimiert.

 

Fehlentwicklungen
Langfristige Fehlentwicklungen sind umso wahrscheinlicher,
je mehr Risikofaktoren vorliegen und kumulieren.
je weniger Ressourcen zur Verfügung stehen.
je früher ein Problemverhalten gezeigt wird.
je häufiger ein Problemverhalten auftritt.
je länger ein Problemverhalten bereits gezeigt wurde.
je vielfältiger das Problemverhalten ist (z. B. Hyperaktivität, Impulsivität, oppo-sitionelles und aggressives Verhalten, Delinquenz und Kriminalität).
je verschiedener die Kontexte (Familie, Kindergarten, Schule usw.) sind, in denen das Problemverhalten gleichzeitig auftritt.
(DFK 2013, S. 18)

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