Die Folgen

Die Folgen, insbesondere von schwerer Gewalt, sind kaum abzusehen, da sie oft mit schwerwiegenden Entwicklungsverzögerungen und Traumatisierungen verbunden sind, die sich erst langfristig zeigen und Kinder ein Leben lang begleiten können.

Gewaltprävention Vorschule und KindergartenDie UN­.Studie „Gewalt gegen Kinder“ bilanziert die Folgen dieser Gewalt so: „Obwohl die Auswirkungen von Gewalt gegenüber Kindern abhängig von ihrer Art und Schwere variieren, sind die kurz¬ und langfristigen Folgen gravierend. Gewalt zieht Gewalt nach sich: So geraten die betroffenen Kinder als Erwachsene oft in eine Opferrolle oder üben selbst Gewalt gegen andere aus.

Frühe Gewalterfahrungen ziehen lebenslange soziale, emotionale und intellektuelle Beeinträchtigungen nach sich. Die betroffenen Kinder neigen später häufig zu Risikoverhalten wie Alkohol- und Drogenkonsum oder suchen frühzeitig sexuelle Beziehungen. Probleme wie Angst, Depression, Wahnvorstellungen, mangelnde Leistungsfähigkeit in der Schule und später im Beruf, Gedächtnisstörungen und aggressive Verhaltensweisen können die Folgen sein. Untersuchungen belegen Zusammenhänge mit späteren Lungen-, Herz- und Lebererkrankungen, Geschlechtskrankheiten, Totgeburten, gewalttätigen Beziehungen und Selbstmordversuchen.“ (Unicef 2006)

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern im Alter von 3–6 Jahren
Symptome von Verhaltensauffälligkeiten zeigen mehr Jungen (15,8 %) als Mädchen (10 %). Bei Kindern mit Migrationshintergrund werden doppelt so häufig Verhaltensauffälligkeiten festgestellt.
Bei Kindern aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status werden viermal häufiger Verhaltensauffälligkeiten festgestellt als bei Kindern aus Familien mit einem hohen sozialen Status.
Bei diesen Zahlen muss jedoch beachtet werden, dass sie nicht auf Diagnosen von Fachleuten beruhen, sondern über standardisierte Elternfragebögen erfasst wurden. (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009, S. 89, 97)

Folgen bei Kleinkindern
Für den Bereich der Kleinkinder fasst der 13. Kinder¬ und Jugendbericht der Bundesregierung (2009, S. 89) den Forschungsstand so zusammen:

„Bei vernachlässigten und misshandelten Kleinkindern fanden sich Entwicklungs- und Verhaltensprobleme insbesondere im sozialemotionalen Bereich. Diese Kleinkinder

  • waren gehäuft aggressiv und/oder zurückgezogen im Umgang mit Gleichaltrigen.
  • zeigten keine Reaktionen auf Kummeräußerungen anderer Kinder bzw. reagierten darauf ängstlich oder aggressiv.
  • waren häufig in ihrer Affektregulation weniger flexibel, weniger responsiv und aufgeschlossen und erschienen (vordergründig) bei Trennungen von ihrer Bindungsperson weniger belastet.
  • zeigten des Weiteren gehäuft extreme negative Zustände wie Ärger, Wutanfälle, Traurigkeit.
  • sprachen im Unterschied zu anderen Kindern auch weniger über sich selbst und über ihre eigenen Gefühle und ihre Befindlichkeit.
  • zeigten häufiger neutrale oder negative Reaktionen im Umgang mit sich selbst.
  • zeigten weniger Ausdauer und Frustrationstoleranz im Umgang mit kognitiv herausfordernden Aufgaben bzw. allgemeine kognitive Entwicklungsverzögerungen.“

Problembereich Übernahme von Gewalt
Körperstrafen (körperliche Züchtigung / Corporal Punishment) als er ­ lebte Gewalt durch enge Bezugspersonen zerstören nicht nur das Vertrauen zwischen Eltern/Erziehern und Kindern, sondern stehen in einem engen Zusammenhang zur späteren eigenen Gewaltanwendung. Auch wenn kein Automatismus zwischen selbst erlebter und ausgeübter Gewalt besteht, so zeigt sich doch immer wieder, dass, wer Gewalt erfährt, eher dazu neigt, selbst Gewalt auszuüben (Bayer u.a. 2009).

Es gibt also einen engen Zusammenhang zwischen elterlicher Gewalt und selbst verübten Gewalttaten und zwar zwischen drei Deliktformen (Baier 2010; Deegener 2011, S. 171):

  • Gewalt gegen andere Kinder (anderen wehgetan, verletzt, gedroht)
  • Sachbeschädigungen (etwas in Brand gesteckt, Dinge beschädigt)
  • Diebstahl (jemandem Sache/Geld gestohlen, in Geschäft gestohlen).

Als mögliche Erklärungszusammenhänge hierfür führen Baier u.a. (2009; Deegener 2011, S. 165) an:

  • Das Opfer fühlt seine physische Integrität bedroht und versucht, über Gewalthandlungen weitere Schäden zu vermeiden.
  • Rache nach Opfererfahrungen.
  • Das Opfer möchte im Freundeskreis nicht aufgrund einer passiven Haltung nach Opfererfahrungen als Feigling betrachtet werden.
  • Die Frustration über die erlittene Gewalt entlädt sich in Aggression gegenüber Schwächeren.

 

Gewalt bei Erwachsenen
In einer 2013 veröffentlichen repräsentativen Untersuchung des Robert¬Koch­Instituts wurden Erfahrungen der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland (18–79 Jahre) als Opfer bzw. Täter von Gewalt erhoben.

Körperliche Gewalt widerfahren ist demnach in den letzten 12 Monaten 6,2 % der Männer und 3,3 % der Frauen. Besonders stark belastet ist dabei die Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren. In dieser Altersgruppe ist 17 % der Männer und 7,7 % der Frauen Gewalt widerfahren. Gewalt ausgeübt haben in dieser Altersgruppe 10,6 % der Männer und 8,4 % der Frauen.

Psychische Gewalt widerfahren ist in den letzten 12 Monaten 20,2 % der Frauen und 17,3 % der Männer. Psychische Gewalt ausgeübt haben 9,9 % der Frauen und 11,3 % der Männer.
(Schlack u.a. 2013, S. 758 f.)

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