Aggression und Gewalt

Aggression und Gewalt im Vorschulbereich

Den Begriff Gewalt für das Verhalten von Kindern im Vorschulalter zu verwenden, ist für viele Fachleute problematisch (vgl. Sommerfeld 2007, S. 80). Zum einen sind Kinder primär Opfer von Gewalt der Erwachsenen und aus diesen Erfahrungen heraus können sich vielfältige aggressive Verhaltensweisen entwickeln. Zum anderen ist das Vorschulalter eine Phase, in der soziale Verhaltensweisen gelernt werden und sich gleichzeitig das Ich-Bewusstsein entwickelt.

Die Erprobung von Durchsetzungsstrategien, das Erreichen eigener Ziele (auch mit unfairen Mitteln) und das Behauptenlernen, sind hierzu notwendige Lernschritte. Kinder sind nicht gewalttätig, sondern sie wenden in spezifischen Zusammenhängen und Situationen Aggression und Gewalt an.

Aggression
„Die Aggressionen dieser Altersgruppe werden durch ein entwicklungsbedingtes Kompetenz-Handicap im sozialen Miteinander ausgelöst. (...) Kinder werden nicht ohne Zutun erwachsener Bezugspersonen auffallend aggressiv, wobei dieses Zutun auch ein Nichtstun bedeuten kann.“ (Haug-Schnabel 2009, S. 47, 72)

Viele Missverständnisse bringt in Bezug auf die Einschätzung des kindlichen Verhaltens die sog. Trotzphase, die verstärkt in der Altersspanne von zwei bis fünf Jahren auftritt. Viele der dabei beobachtbaren Handlungssequenzen könnte man, wenn man sie aus dem situativen und entwicklungsbezogenen Kontext herauslöst, als aggressives oder gewalttätiges Verhalten bezeichnen. Auf den Vorschulbereich bezogen ist dies jedoch nicht sinnvoll, denn es handelt sich um Wutausbrüche und Abgrenzungsbemühungen, um dadurch zunehmend mehr Selbständigkeit zu gewinnen.

Gewaltprävention Vorschule und Kindergarten

Die Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel (2007, S. 47) stellt fest: „Wir finden im Kindergarten zwar eine Vielzahl von Szenen aggressiver Konfliktbearbeitung, aber in der Regel kein gewalttätiges Verhalten.“

Es erscheint deshalb angebracht, für diese Altersphase von entwicklungsbedingter kindlicher Aggression zu sprechen. Kinder sollen des-halb in dieser Altersstufe nicht als „Täter von Gewalt“ betrachtet und gekennzeichnet werden, sondern als Kinder, die auch aggressives Verhalten zeigen, um Ziele zu erreichen, Macht zu demonstrieren oder auf ihre spezifische Situation aufmerksam zu machen.

Gewaltprävention im Vorschulbereich hat das Kind als Opfer von vielfältigen Erscheinungsformen von Gewalt im Blick und möchte im Sinne einer umfassenden Primärprävention Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern. Dabei ist es durchaus sinnvoll, einzelne durch Risikofaktoren und Verhaltensauffälligkeiten besonders belastete Kinder spezifisch im Blick zu haben.

Dies geschieht zunehmend auch mit dem Argument, dass durch frühe Interventionen spätere Verhaltensauffälligkeiten oder gar kriminelle Karrieren verhindert werden könnten und sich dadurch für die Gesellschaft langfristig enorme Kosten sparen ließen. Doch jenseits des Kostenarguments haben Kinder aufgrund ihrer eigenen Würde ein Recht auf optimale Förderung ihrer Persönlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Begriff Gewalt ist kein Begriff, den Kinder verwenden. Kinder beschreiben und umschreiben ihre Gewalterfahrungen mit Worten wie „das tut weh“, „das mag ich nicht“ oder „das macht mir Angst“.

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