Demokratie und Werteerziehung

Demokratie gegen Gewalt

„Es gibt einen grundlegenden und empirisch nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Demokratieerfahrung und Gewaltverzicht: Wenn Kinder und Jugendliche die Erfahrung machen, dass in Schule und Erziehung Mitwirkung, demokratisches Handeln und Verant­wortungsübernahme erwünscht sind und als wichtig anerkannt werden, sind sie für Gewalt und Rechtsextremismus weniger anfällig als Jugendliche, denen diese Erfahrung versagt bleibt“ (Edelstein/ Fauser: 2001, S. 20).

Mitbestimmung und Partizipation stellen ein natürliches Bollwerk gegen Gewalt dar, denn Demokratie bietet Alternativen zur gewaltsamen Durchsetzung von Interessen. Menschliches Zusammenleben in einer Demokratie basiert auf gegenseitiger Achtung, auf den Möglichkeiten aller zur Beteiligung und Mitentscheidung, auf dem Schutz von Minderheiten und rückt so die Würde des Menschen in den Mittelpunkt des Handelns. Um diese zu schützen, müssen vielfältige Voraussetzungen geschaffen werden. Dies gilt für das Zusammenleben in der Gesellschaft ebenso wie für das in der Schule.

Demokratisch strukturierte Schulen, die ein hohes Maß an Mitgestaltung und Mitbestimmung aufweisen, sind nicht nur gewaltärmer, sondern zeigen auch eine höhere Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Denn hier sind die sozialmoralischen Voraussetzungen im Schulleben und im Schulunterricht stärker entwickelt und die entsprechenden Selbst- und Sozialkompetenzen intensiver ausgebildet (Himmelmann 2007, S. 12).

Demokratie als Lebensform

Jugend und Politik

Jugendliche haben ein eigenes Politikverständnis. Viele stehen Politikerinnen und Politikern sowie den Parteien sehr skeptisch gegenüber. Sie verstehen Politik ganzheitlich. Emotionen, persönliche Bedürfnisse und eigene Interessen spielen dabei eine ebenso große Rolle wie sachliche überlegungen und vernunftorientierte Entscheidungen. Jugendforscher meinen, dass Jugendliche durch ihre Einstellungen und Verhaltensweisen Tendenzen signalisieren, wo künftige Chancen und Probleme hinsichtlich der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen liegen. Jugendliche können als Vorreiter für eine neue Auffassung von Politik wahrgenommen werden, die sich mittelfristig auf breiter Ebene durchsetzen könnte.

Die Kritik der jungen Generation an Gesellschaft und Politik sollte ernst genommen werden. Wenn die Bedürfnisse Jugendlicher nicht genügend berücksichtigt werden, besteht die Gefahr, dass sich noch mehr Jugendliche von der etablierten Politik abwenden.

Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren sind eine der aktivsten Gruppen der Bevölkerung. 36 % engagieren sich bereits, weitere 40 % würden sich gerne im sozialen und gesellschaftlichen Bereich engagierten (vgl. Gensicke u.a. 2005). Es ist eine Aufgabe von Familie, Schule, Gesellschaft und Politik Formen politischer Partizipation zu finden und anzubieten, die für die Jugendlichen akzeptabel sind und die Motivation und Bedürfnisse von Jugendlichen aufgreifen.

Sichtweisen der Jugendlichen

  • Nicht die Jugendlichen sind an Politik desinteressiert, sondern die Politik ist nicht an ihnen interessiert.
  • Politiker setzen sich nicht mehr für die unmittelbaren Belange und Interessen der Wähler ein.
  • Politiker sind Funktionäre von abgehobenen, eigenständigen Partei- und Regierungsapparaten, die nach Machtausdehnung streben.
  • Eine effektive Problemlösung zur Bewältigung aktueller Krisen lassen Parteien und Politiker nicht erkennen.
  • Politiker können der jungen Generation keine positiven Zukunftsvisionen anbieten, die helfen könnten, Orientierungsverunsicherungen, „Sinnkrisen“, kulturelle und wirtschaftliche Durststrecken zu überwinden.
  • Politik ist etwas, was nichts mit den Interessen der Jugendlichen zu tun hat.
  • Politik ist meilenweit von den Bedürfnissen Jugendlicher entfernt.
  • Politik hat mit Korruption und Skandalen zu tun.
  • Politiker sind nur an Selbstdarstellung und Machterhalt interessiert.
  • Besitzstandswahrung geht vor Gemeinwohlorientierung.

Vgl. Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. 14. Shell Jugendstudie. Frankfurt/M. 2002, S. 43.

Politik interessiert sich nicht für Jugendliche

Achtung und Respekt Eine gelungene politische Beteiligung Jugendlicher, zum Beispiel in einem Jugendparlament, setzt voraus, dass junge Leute auf drei Ebenen geachtet werden. Sie bedürfen der Fürsorge und pädagogischen Unterstützung, der Achtung ihrer individuellen Autonomie und der Erfahrung der Solidarität. Auch wenn Jugendliche nicht als den Erwachsenen gleichgestellte politische Akteure bzw. Akteurinnen zu betrachten sind, ist demnach eine Haltung des moralischen Respekts ihnen gegenüber grundlegend für das Funktionieren einer jeglichen sozialen Interaktion.
Ingrid Burdewick: Jugend– Politik – Anerkennung. Opladen 2003, S. 289.

Jugendliche wollen in Fragen, die sie betreffen, einbezogen sein, mitreden und mitentscheiden können. Dies ist auch deshalb wichtig, da Demokratie immer wieder neu erkämpft werden muss. Zwar bejahen im Jahr 2008 89 % der Westdeutschen und 63 % der Ostdeutschen die Demokratie ausdrücklich. Doch auf der Skala, wie zufrieden sie mit der Demokratie im eigenen Land sind, stufen sich die Bundesbürger auf Platz 14 der westeuropäischen EU-Staaten und damit im unteren Drittel ein. Bei den unter 29-Jährigen ist das Interesse an Politik so niedrig wie bei keiner anderen Altersgruppe (vgl. Statistisches Bundesamt 2008).

Neben der Vorschule und dem Elternhaus ist Demokratieerziehung in der Schule, verstanden als Demokratie lernen und leben, für die Entwicklung einer demokratischen Gesinnung und Kultur von entscheidender Bedeutung. Die Schule ist die staatliche Institution, mit der alle Kinder und Jugendlichen erreicht werden und in der sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Demokratiepädagogik verbunden mit mehr Mitwirkungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Eltern an Schulen geht über die bislang verbrieften Beteiligungsrechte (Schulkonferenz, Schülervertretung, Elternpflegschaften) weit hinaus, da es nicht um die Erfüllung formaler Verfahren geht, sondern um die Partizipation aller Beteiligten. Gerade in Bezug auf die Schülervertretung wird immer wieder kritisiert, dass die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten doch eher gering sind und sich häufig auf Ordnungs- und Hilfsaufgaben sowie auf die Organisation von Festen beziehen, aber eben nicht auf das tatsächliche Unterrichtsgeschehen. Dies wirkt sich auch direkt auf die Befindlichkeit von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften aus. Denn über die Angelegenheiten des eigenen Lebens mitbestimmen zu können und dadurch Selbst- wirksamkeit zu erfahren, ist eine zentrale Voraussetzung für psychische Gesundheit.

Demokratie gegen Gewalt

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