Jugendliche in Krisensituationen

Destruktive Bewältigungsstrategien

Essstörungen

Nach Schätzungen von Experten leiden fast vier Prozent aller 15- bis 35-Jährigen unter Magersucht (Anorexia nervosa) oder Bulimie, der Anteil der Frauen unter ihnen ist höher als 95 Prozent (Kailitz 2007, S. 7). Während Magersüchtige versuchen abzunehmen, indem sie das Essen einstellen, kompensieren Bulimiker die Nahrungsaufnahme, indem sie erbrechen. Im Laufe ihrer Krankheitsgeschichte wechseln bei vielen Betroffenen anorektische und bulimische Phasen.

Das Modeideal der schlanken Figur beeinflusst gerade junge Mädchen stark. Sogenannte „Pro-Ana-Angebote“ im Internet verharmlosen die Erkrankung und bestärken die anorektische Persönlichkeiten in ihrer sozialen Isolation. Selbstzerstörerisches Fühlen, Denken und Handeln wird dabei als anzustrebender Lebensstil gerechtfertigt. Durch solche Foren fühlen sich Betroffene ermutigt, weiter an der Essstörung festzuhalten und sie positiv zu erleben (vgl. BPJM­Aktuell 2/2008).

Obwohl die Erkrankung geheilt werden kann, geht sie immer wieder auch tödlich aus. Etwa zehn Prozent der Magersüchtigen sterben an den Folgen ihrer Krankheit, viele Betroffene brauchen jahrelange therapeutische Betreuung (Kailitz 2007, S. 7).

Experten sehen in Magersucht und Bulimie den Versuch der Betroffenen, Fremdbestimmung abzuwehren. Die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme ist das Einzige, was ihnen bleibt, wenn alle anderen Lebensbereiche von außen bestimmt werden. Viele Betroffene haben außerdem das Gefühl, nur dann „dazuzugehören“, wenn sie einem bestimmten Ideal entsprechen.

Helfen kann nur eine Therapie. Dabei geht es vor allem darum, die falsche Körperwahrnehmung der Betroffenen aufzulösen. Die mei­sten von ihnen leiden an einer sog. Körperschemastörung und sind nicht in der Lage, ihren Körper so zu sehen, wie er wirklich ist.

Magermodels Die britische „Vogue“-Chefin Alexandra Shulman ruft in einem Brief an die Modefirmen Prada, Versace und Co. zum Umdenken auf. Modezeitschriften seien gezwungen Models mit „hervorstehenden Knochen und ohne Busen oder Hüfte“ zu engagieren, weil die Kleidungsstücke die die Designer den Hochglanzmagazinen für Fotoshootings zuschicken, winzig seien. Die Maße der Kleidungsstücke seien „deutlich kleiner“ geworden. Die „Vogue“ sehe sich inzwischen gezwungen, die Fotoaufnahmen zu retuschieren und am Computer die Körperfülle der Mädchen zu verändern, damit sie dicker und gesünder aussehen.
Die Welt, 15.6.2009, S. 28.

„Die 10 Gebote“

  1. Wenn ich nicht dünn bin, bin ich nicht attraktiv!
  2. Dünn sein ist wichtiger als gesund sein.
  3. Ich muss alles tun, um dünner auszusehen!
  4. Ich darf nicht essen, ohne mich schuldig zu fühlen!
    (...)

http://lostmywings.wordpress.com/2007/07/16/pro-ana-ein-leben-auf-der-waage/

Essstörungen bei Jugendlichen

Anorexia nervosa: das Krankheitsbild

  • Fehlender Kontakt zum Körper und dessen Bedürfnissen.
  • Der Körper wird als Feind erlebt und bekämpft.
  • Ständiges Wiegen und sich zu dick fühlen.
  • Der Kopf kontrolliert und steuert.
  • Kontrolle vermittelt das Gefühl, autonom und selbständig zu sein.
  • Manchmal übertriebene Sparsamkeit und extremer Reinlichkeitssinn, Ablehnung jeglicher lustbetonter Betätigung, eine ausgesprochene spartanische Lebensweise.
  • Rückzugsverhalten.
  • Schwarzweißdenken und depressive Verstimmungen.
  • Ritualisiertes Essverhalten.
  • Extrem langsames Essen, extrem heiß oder kalt essen.
  • Verzehr von Baby- oder Kindernahrung, breiige Kost.
  • Bevorzugung von kalorienarmen Nahrungsmitteln und Getränken, meist sehr einseitige Nahrungsauswahl.
  • Essen vortäuschen, kauen und ausspucken.
  • Kochen, backen, Rezepte sammeln und andere zum Essen animieren.
  • Vieles im Stehen machen.
  • Sich Kälte aussetzen.
  • Exzessiv Sport treiben.
  • Tragen von schweren Taschen/Rucksäcken.
  • Die Betroffenen verweigern sich über lange Zeit, sich ihre Krankheit einzugestehen.

www.bzga-essstoerungen.de

Selbstverletzungen

Selbstverletzendes Verhalten tritt in verschiedenen Formen auf: Schneiden mit Rasierklingen und Messern, Ritzen der Haut, Beißen in die Hände, Verbrühungen, Verbrennungen mit Zigaretten oder Bügeleisen, Abbeißen der Fingerkuppen, exzessiver Sport, usw. wobei „Ritzen“ vor Verbrennen und Schlagen angewendet wird. Ulrich Sachsse (2002, S. 35) sieht als Leitsymptom die Selbstschädigung der Haut. Selbstverletzendes Verhalten ist eine Form der Autoaggression und in verschiedenen Kontexten zu beobachten (May o.J.):

  • Suizidalität und deren Versuche.
  • Kulturell gebilligte selbstverletzende Verhaltensweisen (Genitalbeschneidungen, Schönheitsoperationen, Tätowierungen, Piercings etc.).
  • Indirekte Selbstschädigungen (vorgetäuschte Störungen, um medizinische oder psychologische Aufmerksamkeit zu erzeugen).
  • Versteckte Formen der Selbstbeschädigung (heimliche körperliche Manipulationen, die Verletzungen/Krankheiten zur Folge haben).
  • Selbstverstümmelungen im Rahmen von schweren Psychosen und Schizophrenien, „epidemisch“ auftretende Selbstverlet­zungen in Heimen oder psychiatrischen Stationen.

Wieder Blut ... Ich hab es mal wieder nicht geschafft ES nicht zu tun. Ich bin ein dummer Mensch. Warum schaffe ich das nicht? Bin ich zu blöd dazu? Läuft da irgendwas in meinem Hirn nicht richtig, oder wie? Ich hasse es. Ich hab schon ne Psychotante, gehe aber nicht hin, aus Angst ... ich finde mich so dumm. Naja shit happens.
Krama 1. In:
www.versteckte-scham.de/community?func=view&catid=9&id=59 52#6183

Selbstverletzendes Verhalten taucht häufig im Zusammenhang mit Missbrauchserfahrungen, Traumatisierungen, Körperschema- und Zwangsstörungen verstärkt in der Pubertät auf. Für Deutschland werden die Zahlen mit ca. 0,5-1,5 Prozent der Bevölkerung an­geben. Frauen sind erheblich häufiger betroffen als Männer. Der Beginn der Krankheit liegt schwerpunktmäßig zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr (vgl. www.wikipedia.de).

Bevorzugte Körperteile bei Selbstverletzungen sind Unterarme, Oberschenkel, Brust- und Bauchbereich, sowie das Gesicht. Die meisten betroffenen Frauen berichten von partieller oder totaler Schmerzunempfindlichkeit während der Verletzungshandlung (vgl. May o.J.).

Die unmittelbar nach der Verletzung empfundenen Gefühle wer­den überwiegend als positive und rasche Entlastung, Spannungsminderung, einem „sich-geistig-wieder-klarer–fühlen“, sowie einer Hebung der Stimmungslage und des Selbstwertgefühls nach dem Akt der Selbstverletzung beschrieben. Daneben hat die Handlung Appellcharakter, aber auch den Charakter von Selbstbestrafung und dient zur Kontrolle des seelischen Schmerzes.

Selbstverletzung kann ansteckend sein. Lehrkräften rät Sachsse (2005), das Symptom Selbstverletzung grundsätzlich anzusprechen, aber nicht darauf „herumzureiten“. Notsignale von Jugendlichen müssten erkannt und im Zweifelsfall mit Fachleuten besprochen werden. Andererseits sei selbstverletzendes Verhalten bei vielen Jugendlichen eine Phase, die ein viertel- oder ein halbes Jahr andauere und dann nicht wiederkehre.

Ein Schnitt Am Anfang ist immer der Hass gegen einen selber. Ob man lebt oder tot ist, was spielt das für eine Rolle? Was bringt es noch zu sein? Alles gleichgültig. Ein Schnitt, ein Schmerz, schliesslich das Blut, dabei die Erleichterung, alles wird gut.
Anna
www.rotetraenen.de/?main=voneuch&sub=gedichtlesen &id=122

Biopsychosoziale Risikofaktoren

Destruktive Bewältigungsstrategien

Selbsttötungen

In Deutschland sind im Jahr 2006 9.765 Menschen durch Suizid zu Tode gekommen. Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle (4.659) Drogen (1.296) und Gewalttaten (804) zusammen, obwohl die Zahl der Selbsttötungen seit Mitte der 1980er Jahre zurückgeht. Männer begehen fast drei mal häufiger Suizid als Frauen. In Bayern sind die Sterbefälle durch Suizid mit 13,3 pro 100.000 Einwohnern doppelt so hoch wie in Sachsen Anhalt (6,6). Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Zahl der Suizidversuche um 5 bis 10 mal höher liegt als die der vollendeten Selbsttötungen (vgl. Statistisches Bundesamt/ Destatis, www.statista.org).

Bei den 15- bis 35-Jährigen ist der Suizid nach dem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache innerhalb der Altersgruppe.

Erwin Ringel (Eschborn 2004) benennt folgende Faktoren, die er als präsuizidales Syndrom beschreibt:

  • Einengung: Die eigenen Wahl- und Handlungsmöglichkeiten werden als immer mehr eingeengt erlebt. Gedanken und Vor­stellungen kreisen nur noch um die „Katastrophe“. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden weniger und versiegen. Zunehmende Einsamkeit bis zur totalen Isolierung breitet sich aus. Interesselosigkeit, Gleichgültigkeit und Langeweile nehmen überhand. Das Gefühl unnütz zu sein wird stärker.
  • Aggressionsumkehr: Die angestauten, aber gehemmten Aggressionen werden nicht nach außen gerichtet sondern gegen die eigene Person gewendet, obwohl sie eigentlich den anderen gelten sollen.
  • Suizidphantasien: Gedanken über den eigenen Tod und das Sterben drängen sich in den Vordergrund und werden immer mächtiger. Suizidgedanken werden zu einem Fluchtpunkt aus der Realität.

Die eigene Krise wird als umfassend und ausweglos gesehen. Außer der Selbsttötung stehen keine anderen Verhaltensmöglichkeiten zur Verfügung. Die Selbstmordgedanken und die Handlung werden zur Entlastung und Befreiung.

Erst Selbstliebe Wie soll ein Mensch in der Lage sein, andere zu lieben, wenn er sich selbst nicht liebt! Erst Selbstliebe und Selbstachtung und die Tatsache, dass ich mich selbst schätze, machen es mir möglich, andere zu lieben, zu achten und zu schätzen. Wenn ich mich nicht mag, hege ich anderen gegenüber Gefühle des Neides und des Hasses.
Vgl. Horst Kraemer: Das Trauma der Gewalt. Wie Ge­walt entsteht und sich aus­wirkt. Psychotraumata und ihre Behandlung. München 2003, S. 125.

Als Suizidmethode werden in allen Altersgruppen überwiegend sogenannte „harte“ Methoden wie z.B. Erhängen, Erdrosseln und Ersticken angewandt. Unabhängig vom Alter stellten die vorsätzlichen Selbstvergiftungen die zweithäufigste Suizidmethode dar.
Rübenach 2007, S. 964 f.

Suchtmittel/Alkoholkonsum

Alkoholkonsum ist bei Jugendlichen besonders verbreitet, zumal Alkohol Teil unserer Alltagskultur ist. Klaus Hurrelmann (2008, S. 9) vermutet, dass durch das hartnäckige Festhalten an den Trinkgewohnheiten elementare Bedürfnisse und Wunschvorstellungen angesprochen werden.

Das Einstiegsalter für regelmäßigen Alkoholkonsum liegt bei 13 Jahren. Jeder fünfte 14-Jährige trinkt bereits wöchentlich. Die Hälfte der 16- bis 17-Jährigen konsumiert mindestens einmal im Monat hochprozentige Spirituosen. Vor allem das so genannte Rauschtrinken hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen (vgl. Baier/Pfeiffer 2009, S. 103 ff.; Drogenbeauftragte der Bundesregierung 2009, S. 12). 

Der Begriff Sucht geht zwar auf den Begriff „siechen“, also Leiden an einer Krankheit zurück, dennoch hat „Sucht“ im psychologischen Sinne auch mit suchen zu tun. Jugendliche suchen Orientierung, Anerkennung, Klarheit, Entlastung. Letztlich suchen sie sich auch selbst als Person. Jugendliche sind experimentier- und risikofreu­dig. Momentane Bedürfnisbefriedigung ist wichtiger als mögliche spätere Folgen. Viele Suchtmittel werden aus Neugierverhalten oder unter Gruppendruck ausgetestet. Beim Konsum von Alkohol über einen längeren Zeitraum kann eine körperliche und psychische Abhängigkeit entstehen, zumal wenn der Konsum zur Gefühlsregulierung oder zur Stressbewältigung eingesetzt wird. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Abhängigkeit als „einen seelischen, eventuell auch körperlichen Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein dringendes Verlangen oder unbezwingbares Bedürfnis besteht, sich die entsprechende Substanz fortgesetzt und periodisch zuzuführen“ (www.gbe-bund.de/glossar/Abhaengigkeit.html).

Wonach Suchtverhalten sucht: Glück und Wohlbefinden
Vor dem neuen gedanklichen Hintergrund, dass jedes Suchtverhalten eine Funktion erfüllt, ist es gar nicht mehr so verwunderlich, dass es geschlechtsspezifische Formen von Suchtentwicklung gibt. Die Wahl eines speziellen Suchtverhaltens wird immer durch mehrere Faktoren beeinflusst: die individuelle Bedürfnislage, die im Entwicklungsverlauf verspürten Defizite und Probleme und die unter den Zwängen sozialer Kontrolle übriggebliebenen Strategien zur Ersatzsuche.

Wenn Süchtige ohne Rücksicht auf Leib und Leben nach etwas suchen, dann muss dies etwas ganz Wichtiges, etwas Existentielles sein. Es ist die Suche nach Glücksgefühl und Wohlbefinden. Man müsste also, um Süchte zu verhindern, das, wonach Menschen süchtig werden, und wofür sie alles riskieren, ihnen bereits zum passenden Entwicklungszeitpunkt anbieten, bevor ein Mangel sich bemerkbar macht und die Suche nach Ersatz beginnt.
Gabriele Haug-Schnabel: Sucht kommt von Suchen. In: Familienhandbuch online. www.familienhandbuch.de/cmain/f.Aktuelles/a_Haufige_Probleme/s_1154.html

Untersuchungen zeigen, dass die Trinkmotive von Jugendlichen im internationalen Vergleich sich sehr ähneln. An erster Stelle stehen soziale Motive wie das Zusammensein im Freundeskreis, gefolgt von Spass-Motiven, der Bewältigung von Alltagsproblemen und der Gruppendruck. 

Kinder und Jugendliche sind jedoch nicht nur als Konsumenten von Suchtmitteln betroffen. 2,65 Mio. Kinder und Jugendliche leben in suchtbelasteten Familien, in denen der Vater, die Mutter oder beide suchtabhängig sind (vgl. Klein 2008, S. 22 ff.). In jeder siebten Familie ist ein Kind zeitweise, in jeder zwölften dauerhaft von der Alkoholstörung eines oder beider Elternteile betroffen. Diese Kinder sind als größte Risikogruppe für die Entwicklung von Alkoholmissbrauch anzusehen.

Oberstes Ziel der Suchprävention wie der Drogenpolitik, so Hurrelmann (2008, S. 14), sollte nicht die Verhinderung des Gebrauchs, sondern ausschließlich die Verhinderung des Missbrauches von Alkohol sein. Vieles deutet darauf hin, dass die Zunahme des riskanten Intensivkonsums von Alkohol bei Jugendlichen auf psychische, soziale und leistungsmäßige überforderung zurückzuführen ist. Präventionskonzepte sollten dies stärker berücksichtigen und ihre Maßnahmen entsprechend hierauf ausrichten.

Alkohol in Deutschland

  • 10 Liter reiner Alkohol wurden pro Person im Jahr 2007 verbraucht.
  • 3,1 Mrd. Euro waren 2007 die Einnahmen des Staates aus alkoholbezogenen Steuern.
  • 557 Mio. Euro betrugen 2007 die Werbeaufwendungen für alkoholische Getränke
  • 9,5 Mio. Menschen konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form.
  • 1,3 Mio. gelten als alkoholabhängig.
  • über 70.000 Menschen sterben jährlich durch Alkoholkonsum.
  • 8,4 Mrd. Euro betrugen 2002 die direkten Kosten alkoholbezogener Krankheiten.

Vgl. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., www.dhs.de, www.drogenbeauftragte.de

Abhängigkeit
Alkoholabhängigkeit entwickelt sich über einen langen Zeitraum und tritt im Allgemeinen dann auf, wenn ein langzeitig erhöhter Alkoholkonsum und die individuelle genetische Disposition zusammenwirken. Sie wird in der Regel dann diagnostiziert, wenn während des letzten Jahres min­destens drei der nachfolgend aufgeführten sechs Kriterien der „Diagnostischen Leitlinien für das Abhängigkeitssyndrom“ erfüllt sind:

  • Es besteht ein starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren.
  • Es besteht eine verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.
  • Das Auftreten eines körperlichen Entzugssyndroms.
  • Es kann eine Toleranz nachgewiesen werden, d.h. es sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen hervorzurufen.
  • Andere Vergnügungen oder Interessen werden zugunsten des Substanzkonsums zunehmend vernachlässigt.
Der Alkoholkonsum wird trotz nachweisbarer eindeutiger schädlicher Folgen körperlicher, sozialer oder psychischer Art fortgesetzt. Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren e.V., www.dhs.de

Abhauen und Schule schwänzen

Über „Straßenkinder“ in Deutschland gibt es keine verlässlichen Zahlen. Während terre des hommes von ca. 9.000 Kindern und Jugendlichen ausgeht, spricht die Bundesregierung von 5-7.000 Kindern (vgl. Frankfurter Rundschau 9.2.2009). Mehrere hundert, so die Stiftung „Offroad Kids“, würden zu Straßenkindern, die vor Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch geflohen sind und ihr überleben mit Bettelei, Prostitution oder Kleindiebstahl sichern müssen. Es sind ebenso viele Mädchen wie Jungen. Viele kommen aus ländlichen Gebieten und suchen die Anonymität der Großstädte. Im Zentrum ihres Straßenlebens steht die Sicherung des eigenen überlebens.

Diese Kinder haben es dort, wo sie herkommen, meist nicht mehr ertragen oder wurden schlicht hinausgeworfen. Straßenkinder vermissen Geborgenheit. Sie träumen von Normalität und Geborgenheit. Sie sind häufig unauffällig, stammen aus allen Gesellschaftsschichten und finden sich keineswegs nur unter bunthaarigen Punks. Viele möchten wieder zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen (vgl. www.offroadkids.de)..

Studien belegen jedoch, dass viele der Jugendlichen später wieder in sozialen Einrichtungen auftauchen: in der Psychiatrie, der Wohnungslosen- und der Suchtkrankenhilfe (vgl. Britten o.J.).

Auslese Auf Lernversagen rea­giert die deutsche Schule nicht mit individueller Förderung, sondern mit Auslese: mit Abschulen und Klassenwiederholungen. Dabei ist bekannt, dass das Sitzenbleiben die schulischen Leistungen nicht verbessert.
Renate Valtin: Lesen! Wie sich der Verlust dieser Basisfertigkeit erklärt. In: Frankfurter Rundschau,22.12.2008, S. 12.

Schulschwänzen ist für viele Jugendliche Normalität. Nach Expertenschätzungen fehlen rund zehn Prozent der bundesweit 12,4 Millionen Schüler jedes Jahr unentschuldigt im Unterricht. 500.000 Schülerinnen und Schüler gelten als „schulmüde“. Der überwiegende Teil ist zwischen 12 und 14 Jahre alt. Allein in Nordrhein-Westfalen schwänzen pro Jahr rund 100.000 Schülerinnen und Schüler den Unterricht, die Hälfte davon regelmäßig. Hauptschüler schwänzen mehr als Gymnasiasten. Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass jeder fünfte Schüler in den vergan­genen zwei Wochen stunden- oder tageweise vom Unterricht fern blieb (vgl. rp-online, 13.8.2008).

Massives Schulschwänzen beginnt z.B. schon im 12. Lebensjahr und wird durch vielfältige Ursachen ausgelöst: Konflikte mit Lehrerinnen und Lehrern und Mitschülern, soziale Isolierung in der Klasse, Leistungsprobleme, Krankheit Probleme und Krisen in der Familie (Schreiber 2006, S. 4). Eltern und Lehrkräfte sind oft überfordert und hilflos. Doch schon auf die ersten Fehlzeiten muss reagiert werden. Nichtbeachtung oder gar Ausschluss vom Unterricht verstär­ken das Problem. Durch veränderte Unterrichtsformen bzw. Sozialprojekte kann wieder Freude am Lernen entstehen. Schulmüden bzw. Schulverweigerern müssen Alternativen zum herkömmlichen Schulbesuch angeboten werden. Es geht darum, Schülerinnen und Schüler vor schulischem Misserfolg zu bewahren, ein günstiges Schulklima zu schaffen und Familien zu unterstützen. Reaktionsweisen wie harte Bestrafung von Schulverweigerern oder zwangsweise Zuführung durch die Polizei werden dem Problem nicht gerecht, da sie die Ursachen nicht berücksichtigen (vgl. rp-online. de; www.tagesschau.de/inland/meldung154460.html,www.dji.de/schulmuedigkeit).

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