Gewaltprävention in der Schule

Gewaltprävention in der Schule

Schule ist nicht nur ein Ort, an dem Gewalt stattfindet, sondern vor allem ein Lebensraum, der gestaltet werden kann und der Auswirkungen auf das Verhalten der dort tätigen Personen hat. Schule ermöglicht Bildungsabschlüsse und eröffnet dadurch immer auch Lebenschancen (oder auch nicht). Sie ist ein Ort, an dem das Zusammenleben Vieler beispielhaft demokratisch organisiert werden kann, und sie ist auch ein Ort, an dem „Gemeinschaft“ stattfinden kann, die über die Schule hinaus wirkt. Schule kann so als lebendiger sozialer Organismus gesehen und verstanden werden.

Die Ansätze und Maßnahmen zum Umgang mit Gewalt und Gewalt­prävention in der Schule, die sich in der schulischen Praxis fin­den lassen, sind unüberschaubar und vielfältig. Während für die Bereiche der Verbreitung und der Ursachen von Gewalt in der Schule zunehmend wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse vorliegen, wobei nach wie vor Langzeitstudien weitgehend fehlen, sind Maßnahmen und Projekte der Gewaltprävention immer noch kaum evaluiert. Die Diskussion bezieht sich deshalb in weiten Bereichen auf Annahmen und subjektive Schlussfolgerungen und weniger auf empirische Daten.

Qualitätsmerkmale Eine Diskussion über „Schule und Gewalt“ sollte sich darauf konzentrieren, was die Verantwortung der Schule ist und was Schule als Unterstützung braucht. Schule muss sich darauf konzentrieren, einen „guten Unterricht“ zu machen. Studien belegen, dass wichtige Qualitätsmerkmale eines „guten Unterrichtes“ zugleich gewaltpräventiven Charakter haben: eine förderliche Lehrer-Schüler­Beziehung, Orientierung an den Lernbedürfnissen und -interessen der Schüler und Schülerinnen, soziales Lernen, Erfolge ermöglichen, Selbstvertrauen und Eigeninitiative stärken. Die Fähigkeiten und Stärken der Kinder und Jugendlichen müssen vermehrt sichtbar werden.
Hannes Krall: „Plädiere für einen begrenzten Optimismus“. In: Kranich. Zeitung des SalzburgerFriedensbüros, 1/2008, S. 5.

In der Forschung hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur Ansätze, die mehrere Ebenen gleichzeitig berücksichti­gen (sog. multimodale Ansätze) im Schulbereich sinnvoll sind und Wirkung haben und dass Gewaltprävention in der Schule in einen Prozess der Schulentwicklung eingebunden sein muss. Oberster Grundsatz für die Schule muss sein: „Gewalt hat in der Schule keinen Platz“, Schule muss ein sicherer Ort sein, an dem alle ohne Angst und Furcht leben und arbeiten können. Gewaltprävention setzt dabei eine übereinkunft über den anzustre­benden Zustand und die unerwünschten Verhaltensweisen voraus. Dies ist deshalb wichtig, da das Instrumentarium einer falsch verstandenen Gewaltprävention auch zur Disziplinierung und Unterdrückung gebraucht werden kann.

Gewaltpräventive Maßnahmen können entsprechend der grundlegenden Unterscheidung in primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention auch im schulischen Kontext diesen Bereichen zugeordnet werden, wobei die einzelnen Maßnahmen jeweils für unterschiedliche Schulstufen und unterschiedliche Problembereiche differenziert entwickelt und eingesetzt werden müssen.

  • Zur Prävention im Sinne langfristiger vorbeugender Arbeit (mit allen Jugendlichen – primäre Prävention) gehören u.a. soziales Kompetenztraining, Verbesserung der Kommunikation, Mentoren­programme, Klassenverträge, Klassenrat, attraktive Pausengestaltung, usw.
  • Interventionsstrategien und Maßnahmen der sekundären Prä­vention befassen sich mit dem Verhalten in aktuellen Gewalt- und Konfliktsituationen, und der Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen. Hierzu gehören u.a. Streitschlichter-Programme, Coolness­Training, usw.
  • Tertiäre Präventionsprogramme beziehen sich auf Maßnahmen zur Konfliktregelung und Nachbearbeitung, auch um die Rückfällig­keit bereits aufgefallener gewalttätiger Jugendlicher zu verhin­dern. Hierzu gehören u.a. Täter-Opfer-Ausgleich und Opferschutz.

Schule im Kontext von Gewaltprävention

In der Praxis ist es wichtig, in allen drei Bereichen tätig zu werden. Dies bedeutet, mit unterschiedlichen Gruppen und Anforderungen zu arbeiten.

Ebenen der Gewaltprävention
Schulische Präventionsprogramme müssen verschiedene Ebenen und Adressaten berücksichtigen und zudem an verschiedene Alters­stufen und Schularten angepasst sein. Dabei geht es jeweils um folgende Ebenen:

  • Die individuelle Schülerebene mit dem Ziel, die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehungen zu verbessern, kognitive und soziale Lernprozesse zu ermöglichen, gemeinsame Werte zu etablieren und positive Selbstkonzepte zu entwickeln.
  • Die Klassenebene mit dem Ziel, die Kooperationsstrukturen und das Verantwortungsbewusstsein zu fördern und die Qualität des Unterrichts zu verbessern.
  • Die Schulebene mit dem Ziel, Schule als Lebensraum zu be­greifen und soziale Identität zu ermöglichen, Regeln für das Zusammenleben aufzustellen, Partizipation zu ermöglichen und Schule im Sinne einer „guten Schule“ gemeinsam zu entwickeln.
  • Die Elternebene mit dem Ziel, Kontakt mit dem Elternhaus zu halten, Erziehungsmaßnahmen abzustimmen und Familien da­bei zu unterstützen, aber auch Probleme mit häuslicher Gewalt wahrzunehmen und hilfreiche Reaktionsweisen einzuleiten.
  • Die Ebene der Gemeinde und Nachbarschaft mit dem Ziel, für Schüler weitergehende lebensweltliche Erfahrungen zu ermöglichen, Maßnahmen der Gewaltprävention abgestimmt und koordiniert im Verbund des Gemeinwesens zu sehen.
  • Die gesellschaftliche und politische Ebene mit dem Ziel die Rahmenbedingungen für eine Schule ohne Gewalt zu verbessern.

Grundlegende Fragen

  1. Was wollen wir an unserer Schule unter „Gewalthandlungen“ verstehen?
  2. Wie sieht der Minimalkonsens aus, ab wann eingegriffen wird?
  3. Welches Instrumentarium für Reaktionen und Eingriffe haben wir zur Verfügung?
  4. Was schaffen wir allein, wo brauchen wir Hilfe von außen?
  5. Wie bestimmen wir unsere Handlungsmöglichkeiten zwischen umfassender Veränderung und täglicher Kleinarbeit?
  6. Können wir eine Zeit- und Aufgabenleiste zwischen Aktionismus und Auf schieben entwickeln?
    Michael Grüner: Gewaltprävention in der Schule. Hamburg o.J., ergänzt.

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