Sexualisierte Gewalt

Dieser Baustein informiert über sexualisierte Gewalt, ihre Erscheinungsformen und Hintergründe und gibt Anregungen zur Auseinandersetzung sowie Hinweise für Interventionsmöglichkeiten in akuten Fällen.

Sexueller Kindesmissbrauch Definition

Sexueller Missbrauch von Kindern ist jede sexuelle Handlung eines Jugendlichen oder Erwachsenen mit einem Kind. Kinder sind aufgrund ihrer emotionalen und kognitiven Entwicklung und aufgrund des Abhängigkeits- und Machtverhältnisses zwischen Kindern und Erwachsenen bzw. Jugendlichen nicht in der Lage, diesen Handlungen wissentlich, informiert und frei zuzustimmen („informed consent“). Beim Missbrauch nutzt der Erwachsene bzw. Jugendliche seine Machtposition und Autorität aus, um das Kind zur Kooperation zu überreden oder zu zwingen. Erübertritt dabei geltende Familienregeln und gesellschaftliche Tabus. Entscheidend ist die Absicht des Erwachsenen, sich einem Kind zu nähern, um sich sexuell zu erregen oder zu befriedigen.

B. Herrmann (1998) Medizinische Diagnostik bei sexuellem Kindesmissbrauch. Unveröffentl. Manuskript, 2. ergänzte Aufl . Kassel (modifi ziert nach Kempe 1979 und Sgroi 1982) www1.anti-kinderporno.de/index. php?id=113
(um den Begriff „Jugendlicher“ ergänzt).

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Prävention sexualisierter Gewalt

Die körperlichen und seelischen Misshandlungen, die mit sexuellem Missbrauch verbunden sind, sind mit das Schlimmste, was ein Mensch einem anderen antun kann. Die Opfer leiden an den inneren Verletzungen ein Leben lang.

Der Großteil der betroffenen Kinder ist unter 14 Jahre alt. Kinder im Grundschulalter sind deshalb besonders gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge im Alter bis 14 Jahren ist als Opfer betroffen.

Dies bedeutet, dass davon ausgegangen werden kann, dass in jeder Grundschulklasse Kinder sitzen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Soll Schule ein Ort sein, an dem Gewalt nicht vorkommt und an dem Kinder gegen Gewalt gestärkt werden, so muss auch Kindesmissbrauch zum Thema gemacht werden. Dabei spielt vor allem die primäre Prävention eine zentrale Rolle, die Kinder stärkt und ermutigt, ihre Wahrnehmungen, Gefühle und Interessen mitzuteilen und sich auch von anderen abzugrenzen.

Lehrerinnen und Lehrer sind deshalb besonders gefordert, sich dem Thema zu stellen und im präventiven Bereich tätig zu werden. Damit Betroffene sich an Lehrerinnen und Lehrer wenden, ist ein vertrauensvolles Verhältnis notwendig. Doch dies allein reicht nicht aus. Kenntnisse über sexuellen Missbrauch sind ebenso unabdingbar.„Der Gesetzgeber stellt Kinder und Jugendliche unter einen besonderen Schutz: Anders als bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung erwachsener Personen ist die Einwilligung bzw. Gegenwehr bei Kindern bzw. Jugendlichen unerheblich. Strafbar sind alle sexuellen Handlungen, die an oder vor einem Kind oder Jugendlichen vorgenommen werden und von ‚einiger
Erheblichkeit’ sind, unabhängig vom Verhalten und unabhängig von einer etwaigen aktiven Beteiligung des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen.“

Heinz Kindler u.a. (Hrsg.): Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ADS). München 2006, S. 6-1.

 

Was ist sexueller Missbrauch?

Bis heute gibt es noch keine allgemeingültige Defi nition von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen. Die häufigsten Definitionskriterien zur Bestimmung des sexuellen Missbrauchs sind:

www.schulische-praevention.de

Weite Definitionskriterien:

Eine weite Definition schließt ein: Sexuelle Ausbeutung kindlicher Neugier auf den eigenen Körper; als Spiel getarnte sexuelle Berührungen; als Aufklärung getarnte sexuelle Praktiken; Zwang auf Kinder, an der Herstellung pornografischer Filme, Videos etc. teilzunehmen oder sie zu konsumieren; sexistische Sprache sowie Tolerierung „machohaften“ Verhaltens undÜbertragung der Schuld des Täters auf das Opfer.

Enge Definitionskriterien:

Erzwungene Befriedigung sexueller Bedürfnisse Erwachsener durch Schwächere; sexuelle Berührung des oralen, analen und genitalen Bereichs; Geheimhaltungsdruck mit Drohungen; Missachtung des Selbstbestimmungsrechts des Kindes; Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses des Kindes zum Täter/zur Täterin und Zerstörung des Vertrauensverhältnisses zu anderen Vertrauenspersonen.

vgl. http://www.schulische-praevention.de/Defi nition.14.0.html

Machtmissbrauch

Sexueller Missbrauch ist immer ein Machtmissbrauch. Der/die Erwachsene benutzt das Kind für die eigenen sexuellen Bedürfnisse. Er/sie alleine trägt die Verantwortung für sein/ihr Handeln. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen und kommt in allen Gesellschaftsschichten vor.

Unsichtbarkeit

Alltägliche sexualisierte Gewalt in Familien oder dem sozialen Umfeld ist„unsichtbar“. Menschen, die sexualisierte Gewalt in ihrem sozialen Umfeld erfahren haben, werden sowohl innerhalb ihrer Familien, als auch in der Gesellschaft mit ihren Erlebnissen häufi g in Frage gestellt und das Geschehen wird in seiner Bedeutung heruntergespielt oder sogar negiert.

Nahbereich

Die Täter und Täterinnen leben in drei Viertel der Fälle im Familien-, Bekannten- oder Verwandtenkreis der Kinder. Es ist häufi g nicht der unbekannte böse Mann, sondern es kann der eigene Vater, der Onkel, der Opa, die Tante, die Klavierlehrerin, der Trainer usw. sein.

http://www.muenster.org/zart-bitter/praevention.htm

Was ist sexueller Missbrauch?

Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen (Jugendlichen), die an oder vor einem Kind passiert

– gegen den Willen des Kindes

– aufgrund körperlicher, psychischer, oder sprachlicher Unterlegenheit.

Aufgrund des Entwicklungsstandes kann ein Kind nicht frei undüberlegt zustimmen bzw. die Missbrauchshandlungen ablehnen. In der Regel kennt es den Erwachsenen gut, vertraut ihm und erwartet deshalb von ihm nichts Böses. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Heute wird die Bezeichnung „Sexueller Missbrauch“ häufig durch den Begriff „Sexualisierte Gewalt“ ersetzt, um deutlich zu machen, dass es sich um Gewalt und nicht um Sexualität handelt.

http://www.wildwasser.de/info_hilfe/was_ist/defi nition.shtml

Begriffe

Anstelle von „sexueller Missbrauch“ werden oft auch andere Begriffe verwendet wie:

Diese Begriffe sind jedoch nicht bedeutungsgleich, sondern betonen jeweils verschiedene Aspekte des Problems.

 

Sexueller Missbrauch – Daten und Fakten

Orte
Sexuelle Kindesmisshandlung kommt vor allem in der Familie und im Bekanntenkreis vor. Nur bei einem kleinen Teil handelt es sich um Fremdtäter.

Häufigkeit
Während die Auswertung der von ca. fünf Jahren vorliegenden Untersuchungen ein Ausmaß von 15-33 % bei den Mädchen und 6-9 % bei den Jungen darstellte, fassen neuere Publikationen die aktuell vorliegenden Untersuchungen dahingehend zusammen, dass 10-15 % der Frauen und 5-10 % der Männer bis zum Alter von 14 oder 16 Jahren mindestens einmal einen sexuellen Kontakt erlebt haben, der unerwünscht war oder durch die „moralische“ Übermacht einer deutlich älteren Person oder durch Gewalt erzwungen wurde. Demnach kann davon ausgegangen werden, dass etwa jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge Opfer sexualisierter Gewalt wird. Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes registriert jährlich ca. 16.000 angezeigte Fälle. Viele Fälle kommen jedoch nicht zur Anzeige. Die Dunkelziffer ist sehr hoch.

Alter der Opfer
Forschungsergebnisse belegen, dass die am häufigsten betroffene Altersgruppe Kinder im Alter zwischen 10-14 Jahren sind. Häufig beginnt der Missbrauch schon im Vorschulalter. Sogar Säuglinge werden missbraucht. Aufgedeckt wird der Missbrauch jedoch – wenn überhaupt – oft erst viel später.

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Dauer
Untersuchungen zeigen, dass es sich aus Opfersicht bei ca. 60-70 % der Fälle um einmalige Übergriffe handelt. Dieses (auch in ausländischen Studien bestätigte) Verhältnis von 2:1 von einmaligen zu mehrmaligen sexuellen Übergriffen trifft für Mädchen und Jungen gleichermaßen zu. Erwartungsgemäß ist dieses Verhältnis von dem Bekanntschaftsgrad zwischen Opfer und Täter bzw. Täterin abhängig: Unbekannte Täter und Täterinnen begehen eine solche Tat in der Regel nur einmal mit dem gleichen Kind, während ein Drittel bis die Hälfte der Täter und Täterinnen aus dem Bekanntenkreis sexuelle Gewalt mehrfach an einem Opfer ausüben. Begann der Missbrauch vor dem 10. Lebensjahr, so betrug die durchschnittliche Dauer über 6 Jahre. Setzten die ersten Übergriffe nach dem zehnten Lebensjahr ein, so dauerten sie im Durchschnitt ca. 4 Jahre.

Mädchen und Jungen
Derzeit geht man davon aus, dass es sich bei den Kindern mit sexueller Gewalterfahrung zu ca. 70-80 % um Mädchen und zu ca. 20-30 % um Jungen handelt.

Täter
Vor allem Männern sind die Täter. In ca. 6-10 % der Fälle werden Frauen als Täterinnen angenommen. Bei Jungen als Opfer erhöht sich der Prozentsatz auf bis zu 20 % weibliche Täterinnen. Erwachsene Täter sind in der Regel Wiederholungstäter. Die Täter sind ganz „normale“, sozial angepasste und meist unauffällige Menschen aus allen sozialen Schichten und Berufsgruppen (in letzter Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit vermehrt auf Berufe, in denen mit Kindern gearbeitet wird). Die Täter und Täterinnen stammen aus allen gesellschaftlichen und sozialen Schichten. Auch alle Altersgruppen sind vertreten, was das Vorurteil vom bad old man widerlegt. Das Bild des Täters und der Täterin als Fremden, das häufig besonders von den Medien gezeichnet wird, ist zu korrigieren. Fremdtäter bei Männern sind ca. 33 %, bei Frauen ca. 27 %. Der größte Teil der Täter und Täterinnen stammt aus dem sozialen Nahbereich der Opfer, ist diesen bekannt und im täglichen Umgang vertraut. Täterinnen sind zu ca. 23 % Angehörige, zu ca. 50 % Bekannte, Täter zu ca. 17 % Angehörige, zu ca. 50 % Bekannte. Das Durchschnittsalter der Täter liegt bei ca. 25 Jahren, das der Täterinnen bei ca. 30 Jahren. Es wird von bis zu 80 % Tätern und von bis zu 20 % Täterinnen ausgegangen.

Täterstrategien
Sehr selten kommt es zu sofortigen sexuellen Übergriffen, eher wird das Kind „vorbereitet“, indem es bevorzugt wird, Geschenke erhält und allmählich vom Rest der Familie / von der Mutter emotional isoliert wird. Es entsteht eine enge und starke Beziehung, in der erst nach und nach die zunächst positiv empfundenen Begünstigungen (auch „Kuscheln“ etc.) mit sexuellen Handlungen verknüpft werden. Auch Fremdtäter entwickeln spezifische Strategien. Hierzu gehören das Ausspähen von Orten z.B. Spielplätze, um „passende“ Kinder auszusuchen, die Vorbereitung der Kontaktsituation und die Anbahnung erster Kontakte usw.

Psychodynamik
Die Psychodynamik sexueller Kindesmisshandlung ist geprägt von den Grundgefühlen Vertrauensverlust, Angst, Schuld und Scham, Ohnmacht, Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, Rückzug auf sich selbst und Sprachlosigkeit. Es „verschlägt den Opfern die Sprache“, daher finden sich so selten verbale Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch. Zentrales Moment ist der enorme Geheimhaltungsdruck (u.a. durch diverse Drohungen des Täters) und das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Täter und Opfer. Es besteht ein starker Loyalitätskonflikt, da die Kinder den Täter oft gleichzeitig lieben und fürchten. Dem Täter gelingt es fast immer dem Kind das Gefühl zu vermitteln, es sei selber Schuld am Missbrauch.

Auswirkungen
Sexueller Kindesmissbrauch hat gravierende unmittelbare Folgen und Langzeitfolgen, deren Ausmaß von verschiedenen Faktoren bestimmt wird: Grad der Gewaltanwendung, Art und Schwere des Missbrauchs, Grad der Nähe zwischen Täter und Opfer, Reaktion auf die Aufdeckung durch die Umgebung u.a. Häufige Folgen sind langfristig eine gestörte Identitätsentwicklung, gestörte Sexualität und Beziehungsunfähigkeit, sowie seelische Erkrankungen. Sexualisierte Gewalt führt zur Verletzung des Körpers und der Seele und hinterlässt tiefe Spuren im Erleben und Erinnern vieler Mädchen und Jungen. Jahre lang, oft ein ganzes Leben, leiden sie unter dem traumatischen Erlebnis.

Erkennen/Diagnose
Die Opfer schweigen aus verschiedenen Gründen (Angst, Geheimhaltungsdruck, Loyalitätskonflikt, Schuld- und Schamgefühlen u.a.). Daher sind nonverbale, indirekte Hinweise, Verhaltensauffälligkeiten, psychosomatische und psychiatrische Erkrankungen und (seltener) körperliche Symptome, oft die einzige Diagnosemöglichkeit. Es gibt kein charakteristisches Missbrauchssyndrom! Altersunangemessenes Sexualverhalten ist ein sehr wichtiger, aber nicht völlig spezifischer Hinweis. Die zahlreichen Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Symptome sind als Bewältigungsversuch anzusehen und für die Kinder überlebensnotwendig.

Geheimhaltung
Die innere Bindung zum Täter/zur Täterin, die Liebe des Kindes „trotz allem“ zu der ihm meist nahestehenden Person, trägt zur Verwirrung und Geheimhaltung von Seiten des Kindes bei. Auch bei Fremdtätern spielt die Forderung der Geheimhaltung, häufig verbunden mit Drohungen, eine wichtige Rolle.

Glaubwürdigkeit
Kinder erfi nden extrem selten Geschichten über sexuelle Kontakte zu Erwachsenen – dahingehende Äußerungen oder Andeutungen sind immer ernst zu nehmen. Nach zahlreichen gerichtspsychiatrischen Untersuchungen sind Kinder sehr glaubwürdige Zeugen.

Aufdeckung
Die Umgebung eines Missbrauchsopfers reagiert hilfl os, ungläubig, panisch oder aggressiv auf den Verdacht oder eine Aufdeckung: das Kind unternimmt oft viele vergebliche Versuche Erwachsenen seine Not auf nonverbaler oder symbolischer Ebene „mitzuteilen“ (ohne „das Geheimnis zu verraten“). Selbst bei den eher selteneren konkreten und klaren Aufdeckungen wird ihm/ihr oft nicht geglaubt. Der Verdacht und erst recht die Aufdeckung lösen eine enorme Krise, Ratlosigkeit und Panik bei allen Beteiligten aus (leider zu häufi g auch bei den beteiligten Professionellen!).

Intervention
Die Intervention bei Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch muss gutüberlegt und durchdacht sein – niemals überstürzt handeln. Es ist immer eine Vernetzung und Koordination verschiedener Berufsgruppen nötig (Stichwort „multiprofessionelle Kooperation“), damit Kinderschutz, rechtliche Maßnahmen und Therapie integriert und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Deshalb ist es sinnvoll frühzeitig die einschlägigen Beratungsstellen einzuschalten. Müssen Kinder schnell vor weiteren Verletzungen geschützt werden kann auch eine Anzeige hilfreich sein.

Medizinische Untersuchung
Die medizinische Untersuchung von Missbrauchsopfern ist nicht zwangsläufig erneut traumatisierend, wenn sie qualifi ziert und einfühlsam durchgeführt wird. Sie hat jedoch das Potential eines schädigenden und grenzüberschreitenden Eingriffs und erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrung. Mit guter Dokumentation kann sie die Notwendigkeit von Wiederholungsuntersuchungen reduzieren. Das Fehlen körperlicher Befunde schließt die Möglichkeit eines sexuellen
Missbrauchs niemals aus!

Quellen: B. Herrmann (1998) Medizinische Diagnostik bei sexuellem Kindesmissbrauch. Unveröffentl. Manuskript, 2. ergänzte Aufl . Kassel, modifiziert nach Kempe 1979 und Sgroi 1982. www1.anti-kinderporno.de/index.
php?id=113 www.kindesmisshandlung.de www.schulische-praevention.de www.muenster.org/zart-bitter/praevention.htm

 

Täterstrategien

Unterschieden werden müssen Strategien von Tätern innerhalb und außerhalb der Familie.

Auswahl der Opfer und Kontaktaufnahme

Beziehungsaufnahme

Die Strategie zielt auf eine zunehmende Sexualisierung der Beziehung zum Opfer und auf dessen Desensibilisierung in Bezug auf körperliche Berührungen. Immer wiederkehrende Grenzüberschreitungen prüfen die Widerstandsfähigkeit des Opfers. Grenzüberschreitungen werden als normal etikettiert. Übergriffe werden in körperliche Aktivitäten integriert und damit getarnt (Schmusen, Toben mit dem Kind). Die Grenzen zwischen Zuwendung und Missbrauch verschwimmen dabei. Oft umwerben Täter das Kind, bedenken es mit Aufmerksamkeit und Zuwendung. Die Beziehung zum Kind wird zunehmend sexualisiert. Täter erklären ihr Verhalten als etwas völlig normales, da sie nur Spiele spielen oder das Kind aufklären würden. Täter intensivieren gezielt und systematisch die Beziehung durch materielle oder emotionale Zuwendungen und Anerkennung, sodass das Opfer zunächst gerne mit ihnen zusammen ist. Nachdem eine gewisse Abhängigkeit entstanden ist, beginnt die schleichende und für das Opfer zunächst nicht wahrnehmbare Sexualisierung der Beziehung. Die Anzahl derÜbergriffe und ihre Intensität werden ganz allmählich gesteigert, die Grenzübertritte als Spiel oder Aufklärung getarnt. Dabei ist häufig keine offene körperliche Gewalt vonnöten.

Absicherung

Der Missbrauch wird als „gemeinsames Geheimnis“ erklärt, mit dem Ziel das Kind zum Schweigen zu bringen. Dabei wird ihm auch eine Mitschuld und eine aktive Beteiligung unterstellt. Um dies zu erreichen, werden auch diverse Formen von Druck und Drohungen ausgeübt. Solche Drohungen gehen von einer möglichen Heimeinweisung oder Gefängnisaufenthalten über das Auseinanderbrechen der Familie bis zum Einschläfern des geliebten Haustieres.
Prävention muss deshalb helfen dem Kind die Aufdeckung des Missbrauchs zu erleichtern.

Vgl. Sexueller Missbrauch – Möglichkeiten schulischer Prävention. unver. Manuskript, Diplomarbeit, o.J., S. 23 ff. http://www.gegen-missbrauch.de/new.php?link=downloads/downindex.htm

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„Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein ‚zufälliges‘ Geschehen, sondern das Ergebnis eines sorgfältig entwickelten Plans. Die Strategien der Täter richten sich dabei nach außen, um ein Eingreifen von Dritten auszuschließen, gegen das Kind, um es gefügig und wehrlos zu machen und gegen die engsten Vertrauenspersonen des Opfers, damit diese weder den eigenen Wahrnehmungen trauen, noch den Hinweisen des Kindes glauben schenken. Nur wer weiß, wie Täter vorgehen, kann Kinder vor ihnen schützen.“

Weisser Ring (Hrsg.): Opfer. Plakat, Anzeigenkampagnen, TV- und Funkspots gegen häusliche Gewalt und sexuelle Misshandlungen von Kindern und Frauen. Gestaltet von StudentInnen der Bauhaus-Universität Weimar in Zusammenarbeit mit dem Weissen Ring. Mainz o.J.

Täteraussagen

„Wenn du ein Kind missbrauchen willst, musst du es langsam an dich gewöhnen. Laufe nackt herum, wenn das Kind da ist, tobe mit ihm und kitzle es und berühre es dabei zufällig zwischen den Beinen oder an der Brust“.

„Wenn Du ein Kind missbrauchst, wird es sich gegen dich wehren. Du kannst diesen Widerstand jedoch getrost ignorieren. Du bist der Stärkere, niemand wird dem Kind glauben.“

Statement eines Straftäters, der seine Vorgehensweise bei Kindesmisshandlung schildert.

 

Minderjährige als Täter

Die Zahl der Minderjährigen, die sich sexuell an Kindern und Jugendlichen vergehen, steigt rapide an. Laut Kriminalstatistik hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die eines Sexualdelikts verdächtig werden, bundesweit seit 1993 mehr als verdoppelt. Experten schätzen, dass mittlerweile jeder fünfte Fall von Kindesmissbrauch, der bekannt wird, auf das Konto eines minderjährigen Täters geht. In einem nordrhein-westfälischen Modellprojekt werden als Ursachen genannt:

Vgl. Der Spiegel, Nr. 22/2006.

Zusammenfassend lassen sich die folgenden Trends feststellen:

Abschlussbericht des Forschungsprojekts Erzieherische Hilfen für jugendliche Sexual(straf)täter von Prof. Dr. Sabine Nowara & Dr. Ralph Pierschke, Institut für Rechtspsychologie, Waltrop 2005, S. 12.

Prof. Sabine Nowara, Kriminalpsychologin

„Sie [Anm.: sexuelle Gewalt] nimmt zum Teil zu. (...) Wir haben vor allen Dingen einen Anstieg bei Kindern, d.h. also bei nicht strafmündigen Jugendlichen unter 14 Jahren, dass es da durchaus zu erheblichen gewaltsamen sexuellen Übergriffen gekommen ist. (...) Diagnostisch war es vorher abgeklärt, ob es ein einvernehmliches Doktorspiel war, was in der normalen Entwicklung vorkommt, oder aber ob Gewalt, Erpressung, Manipulation vorgekommen ist, oder aber eine große Altersdifferenz vorliegt, d.h. das Opfer ist fünf Jahre und der Täter ist 13 Jahre alt. Das ist kein einvernehmliches Doktorspiel mehr.“

http://www.swr.de/quergefragt/2006/06/21/index.html

Im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen an Kindern wird häufig der familiäre Inzest nicht diskutiert. In der polizeilichen Ermittlungsstatistik wird dieser nicht mehr gesondert aufgeführt. Meist denkt man dabei an generationsübergreifenden Missbrauch – also missbrauchende Väter oder Großväter. Wie häufig er unter Geschwistern – innerhalb derselben Generation vorkommt, ist hingegen kaum bekannt.

Abschlussbericht des Forschungsprojekts Erzieherische Hilfen für jugendliche Sexual(straf)täter von Prof. Dr. Sabine Nowara & Dr. Ralph Pierschke, Institut für Rechtspsychologie, Waltrop 2005, S. 6

 

Folgen von Missbrauch

Sexueller Missbrauch konfrontiert betroffene Kinder und Jugendliche mit einem kaum zu bewältigenden Gefühlschaos von Scham, Schuld, Ekel, absoluter Hilflosigkeit und Angst. Die Überlebensstrategien, die es ihnen ermöglichen, eine andauernde Missbrauchssituation oder eine Vergewaltigung auszuhalten, prägen sich häufig tief ein. Sie bestimmen ihr Leben als (junge) Erwachsene weiter. Eine Vielzahl von Folgen kann sie über das Kindes- und Jugendalter hinaus durch ihr Leben begleiten. Diese reichen von Schlafstörungen, körperlichen Verletzungen und Krankheiten, Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung bis hin zu psychischen Erkrankungen. Es kann auch zur sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) kommen, einer besonderen Form von psychischen Störungen, unter denen beispielsweise häufi g auch Kriegs- und Folteropfer leiden.

Angst

Angst gehört zu den verbreitetsten Folgeerscheinungen von sexuellem Missbrauch. Den Kindern wird bei Geheimnisverrat oft Gewalt angedroht, sie erleiden z.T. ausgeprägte Gewalt während des sexuellen Missbrauchs und erleben gerade bei sexueller Ausbeutung durch Familienangehörige häufig eine ständige Bedrohung im familiären Alltag.

Niedriges Selbstwertgefühl

Opfer zeigen oft ein niedriges Selbstwertgefühl aufgrund der entstandenen Scham-, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle. In Zusammenhang mit den anderen Belastungen und Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs führt dies nicht selten dazu, dass sie sich in vielen Bereichen nichts zutrauen oder z.B. in der Schule in ihren Leistungen stark absinken bis versagen.

Günther Deegener: Kindesmissbrauch – erkennen, helfen, vorbeugen. Weinheim und Basel 2005, 3. aktualisierte Aufl ., S. 91 ff.

Vorsicht: Symptome und Verhaltensauffälligkeiten können auf einen sexuellen Missbrauch hinweisen. Sie können aber auch andere Ursachen haben.

Grundgefühle und Verletzungen

Als Folgen erfahrener sexueller Gewalt werden in analysierten Autobiographien wie in der Fachliteratur u.a. folgende markante Grundgefühle und Verletzungen beschrieben:

http://www.schulische-praevention.de/Folgen.16.0.html

Die Folgen sexuellen Missbrauchs sehen in unterschiedlichen Lebensphasen verschieden aus. Im Grundschulalter:

„Bei den 6- bis 9-jährigen Kindern werden vielfach als typische Folgen beschrieben: somatische Beschwerden (z.B. Kopf- und Bauchschmerzen); plötzliche Schulleistungsstörungen, nicht altersangemessene sexuelle Handlungen mit jüngeren oder gleichaltrigen Kindern; sexuell provozierendes Verhalten; Schlaf- und Essstörungen; keine altersentsprechenden sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen; Zwangshandlungen wie ausgeprägtes Baden oder Waschen.“

Günther Deegener

 

Prävention

Es gibt keine Patentrezepte zum Schutz vor sexuellem Missbrauch. Kinder zu stärken, Erwachsene für das Thema zu sensibilisieren, ein verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität in Institutionen und die Information der Öffentlichkeit über Vorkommen und Zusammenhänge sind jedoch wichtige Schritte. Das Ziel von Prävention ist die Vorbeugung und letztlich die Verhinderung von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Weitere Ziele sind die Beendigung akuter Übergriffe, der Schutz des Kindes vor weiteren Gewalthandlungen und die Minimierung fortgesetzter Traumatisierungen.

Die Präventionsarbeit mit Kindern soll die Kinder stärken, ihr Selbstvertrauen festigen, ihre Selbstständigkeit fördern und die Kinder informieren. Im Fokus steht die Förderung und Stärkung der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen, die Kindern und Jugendlichen helfen, Übergriffssituationen zu erkennen, einzuordnen und zu beenden. Selbstbewusste Kinder können sich besser abgrenzen und bedrohliche Situationen eher beenden. Ein älterer jugendlicher oder erwachsener Täter ist dem Kind immer überlegen und trägt die Verantwortung für den sexuellen Missbrauch.

Die Verantwortung für den Schutz der Kinder und Jugendlichen tragen immer die Erwachsenen. Deswegen ist die Information und Sensibilisierung, insbesondere für eine Erziehung zur Selbstbestimmung von Eltern und anderen Erwachsenen wichtig. Langfristig gesehen geht es darum, Gewaltstrukturen von Erwachsenen gegenüber Kindern zu verändern und sexuellen Missbrauch in unserer Gesellschaft zu beenden.

http://www.wildwasser.de/info_hilfe/praevention/ – ergänzt.

Primärprävention wendet sich unspezifisch an alle Kinder mit dem Ziel, durch Stärkung und Aufklärung sexuellen Missbrauch zu verhindern. Dies fällt auch in den Bereich schulischer Zuständigkeiten.

Sekundärprävention wendet sich an Risikogruppen mit dem Ziel, Missbrauch frühzeitig zu entdecken und zu intervenieren. Auch hier ist u.a. die Schule gefragt.

Tertiärprävention betreut Kinder, die sexuelle Gewalt erfahren haben, um die Folgen abzumildern. In diesem Bereich ist Schule auf die enge Kooperation mit anderen Hilfeeinrichtungen angewiesen.

Die Prävention von sexuellem Missbrauch und Intervention bei sexuellem Missbrauch können sich nicht nur auf kindliche Verhaltensweisen beziehen, sondern wenden sich mit spezifischen Angeboten an

 

Probleme und Grenzen

Erfahrungen und Evaluationsergebnisse

Keine falsche Stärke vorgaukeln

Präventive Arbeit mit Kindern muss sorgsam darauf bedacht sein, Kindern nicht mit rhetorischen Mitteln (Appelle) eine Stärke einzureden, die sie im Alltag und in der realen Situation, beispielsweise in einem dysfunktionalen
Familiensystem oder in einem gesellschaftlichen System, das Kindern kaum erlaubt, „ungehorsam“ zu sein, nicht haben. Welche Chancen hat ein betroffenes Kind, den Missbrauch durch ein kräftiges „Nein“ zu beenden, wenn der Misshandler eine der wichtigsten Bezugspersonen des Kindes ist, die es überlebenswichtig braucht?

Ergebnisse von Präventionsstudien zeigen ...

Prävention kann offensichtlich einen Wissenszuwachs (Arten der sexuellen Misshandlung, Hilfe holen) auch über einen Zeitraum von einigen Monaten hervorrufen, offen bleibt jedoch die Frage, inwieweit die von den Kindern gelernten und verbal reproduzierten Verhaltensweisen auch in einer realen Missbrauchssituation angewandt werden können.

Kraizer et. al. versuchten mit Hilfe simulierter Begegnungen mit einem Fremden, das erlernte Verhalten der Kinder festzustellen. Die meisten Kinder konnten „Nein“ sagen oder an andere Erwachsene verweisen. Es gab aber einzelne Kinder, die selbst nach zweimaliger Teilnahme am Präventionstraining in der dritten Simulation bereit waren, mit dem unbekannten Mann mitzugehen.

Nach der Metastudie von Finkelhor „haben Programme, welche die Kinder (z.B. durch Rollenspiele) aktiv einbeziehen, offenbar mehr Erfolg als solche, die sich eher auf darbietende Vermittlungsformen (Filme, Unterrichtsgespräche)
oder individuelles Lernen (Arbeitshefte, Comics) stützen“. Ferner regen Präventionsprogramme Gespräche zwischen Kindern und Eltern an.

In der Bundesrepublik gibt es bisher keine umfangreichen Evaluationsstudien. Finkelhor weist darauf hin, dass „das vielleicht bedeutsamste Ergebnis des gesamten ‚Präventionsexperiments‘ “ in der Literatur seltsamerweise nur am Rande erwähnt würde: Präventive Erziehung bewirkt, dass die Kinder über bereits erlittene Misshandlungen sprechen.“

Brunhilde Marquardt-Mau: Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung – Möglichkeiten und Grenzen. In: Andrea Grimm: Wie schützen wir unsere Kinder? Vom gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Gewalt. Loccumer Protokolle 55/97. Rehburg-Loccum 1998, S. 163 ff., Auszüge.

 

Vorbeugeprogramme kritisch betrachtet

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Vorbeugeprogrammen gegen sexuellen Missbrauch entwickelt worden. Diese sind jedoch nicht ohne Kritik geblieben. So referiert z.B. Günther Deegener die entscheidenden Kritikpunkte an
solchen Programmen:

Günther Deegener: Kindesmissbrauch – erkennen, helfen, vorbeugen. Weinheim und Basel 2005 (3. aktualisierte Aufl .), S. 181 f.

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Heimliche Botschaften

Studien weisen auf die Gefahr hin, dass Präventionsprogramme Kindern die folgende heimliche Botschaft vermittelten: „Wenn ich mich nicht so gut wehren kann wie die kompetenten Kinder im Film, Comic oder Rollenspiel, so ist es
meine Schuld“.

Abschwächung des Stigmatisierungstraumas

„Eine der schockierendsten Folgen sexuellen Missbrauchs ist den Erinnerungen von Opfern zufolge das Gefühl, völlig allein zu sein, mit niemanden über das Problem sprechen zu können und sich nicht vorstellen zu können, dass andere dasselbe erlebt haben. Wenn Kinder immer wieder Gesprächeüber sexuellen Missbrauch hören, könnte sich dadurch bei späteren Opfern das Stigmatisierungstrauma abschwächen.“

Brunhilde Marquardt-Mau

 

Prävention in der Schule

Schulische Prävention zielt nicht nur auf realitätsgerechte Informationen über das Missbrauchsgeschehen, sondern auch auf Widerstandsstrategien und Hilfen bei der Aufdeckung. Zentrale Inhalte der Präventionsarbeit an der Grundschule, an denen sich auch die methodisch-didaktischen Vorschläge
dieses Bausteins orientieren, sind:

Der eigene Körper

Bestimmungsrecht über den eigenen Körper. Das bedeutet: Kinder haben ein Recht darüber zu bestimmen, wer sie wann und wie anfasst. Gleichzeitig sollen sie erfahren, dass ihnen ihr Körper ganz alleine gehört.

Gefühle

Wahrnehmung von Gefühlen/Vertrauen auf die eigene Intuition. Kinder sollen ihre eigenen Gefühle wahrnehmen lernen und auf ihre Intuition vertrauen. Im Umgang mit Menschen ist das Vertrauen in die eigenen Gefühle ein grundlegender Selbstschutz.

Berührungen

Unterscheidung zwischen „guten“, „schlechten“ und „komischen“ Berührungen. Insbesondere bei innerfamiliärem Missbrauch spielen die ‚komischen‘, verwirrenden Berührungen eine große Rolle. Sexuelle Berührungen sollen also als solche erkannt werden.

Nein-Sagen

Kinder haben das Recht, Nein zu sagen, wenn sie jemand auf eine Art berührt, die ihnen nicht gefällt. Neuere Präventionskonzepte nehmen auch den Aspekt des selbstbewussten Zustimmens auf, das Ja-Sagen wird ebenso
berücksichtigt.

Umgang mit Geheimnissen

Kinder müssen wissen, dass es Geheimnisse geben kann, über die sie sprechen dürfen, auch wenn es ihnen ausdrücklich verboten wird. Deshalb sollen Kinder lernen, dass es „gute“ und „schlechte“ Geheimnisse gibt.

Hilfe holen

Informationen über Unterstützungsangebote. Kinder benötigen Hilfe von Gleichaltrigen und Erwachsenen. Jedes Kind hat ein Recht, sich Hilfe zu holen, wenn es sich ängstigt oder sich über eine Situation ungewiss ist. Kinder haben niemals Schuld. Verantwortlich für den sexuellen Missbrauch ist immer der Täter!

Sexualerziehung

Neben diesen sieben Präventionsbausteinen ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Prävention eine offene Sexualerziehung. Kinder haben ein Recht auf eine umfassende Sexualerziehung schon in der Grundschule. Sexualerziehung unter Einbeziehung des Körpers, der Sprache und aller Sinne ist die beste Lebenskompetenzförderung. Das Wissen um die eigene Sexualität kann Mädchen und Jungen darüber hinaus vor unerwünschten und zugemuteten sexuellen Übergriffen und körperlichen Berührungen schützen. Unwissende sind gefährdete Kinder, weil Täter und Täterinnen dadurch die Möglichkeit gewinnen, ihr Handeln als etwas Normales für ein Kind zu erklären.

http://www.schulische-praevention.de/Praeventionsbaustein.143.0.html

Präventive Arbeit bezieht sich auf drei Ebenen:

  1. Schulung/Information der verantwortlichen Lehrkräfte
  2. Information der Eltern
  3. Pädagogische Arbeit mit Mädchen und Jungen

Prävention sexualisierter Gewalt an der Schule bedeutet Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen

Lehrerkollegium

Eltern

Klasse

Kontakte und Kooperation mit Expertinnen und Experten
Kennen des Hilfesystems und einschlägiger Organisationen, die im Bereich des sexuellen Missbrauchs tätig sind (z.B. Jugendamt, Kinderschutzbund, Kinderarzt, ...).

Offene Fragen
Wer soll in der Schule die Prävention durchführen? Der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin, Schulpsychologen, externe Experten?

Ein besonderes Problem: Körperkontakt

Beim Körperkontakt zwischen Lehrerinnen/Lehrern und Schülerinnen/ Schülern sollte genau darauf geachtet werden, wo die Grenzen für Missverständnisse und Fehldeutungen liegen.

Ein Grundschulkind, das sich verletzt hat, in den Arm zu nehmen und zu trösten scheint selbstverständlich. In anderen Zusammenhängen wird Körperkontakt (mit zunehmendem Alter der Kinder) als problematisch empfunden.

Problembereiche stellen vor allem der Sport- und Schwimmunterricht dar. Hier können sportliche Hilfestellungen leicht falsch gedeutet, aber auch zu unliebsamen Berührungen missbraucht werden.

Freundliche Begleitung

„Prävention kann als freundliche Begleitung von Kindern verstanden werden. Prävention bedeutet nicht, das ‚richtige Lieben und Leben‘ vorzuschreiben, einseitig Sicherheit, Bewusstheit und Kontrolle zum Konzept zu machen und sich nur auf die Gefahren zu konzentrieren. Prävention sollte sich auf warme, positive, menschen- und kinderfreundliche Mythen, das Interesse der Menschen auf Leben, Lieben, Eigensinn und Gewaltfreiheit stützen.“

Christa Wanzeck-Sielert: Prävention von sexueller Gewalt und sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen. (Diplomarbeit) Kiel 1995, S. 49.